
Saarbrücker Zeitung
Lyoner, Linke und die älteste Nachwuchsband der Welt
Bildstock
"Der labert wieder so lang! Furchtbar!" motzte es aus der letzten Reihe. Da mochte wohl einer nicht erst der Einführung von Parteigenosse Lothar Schnitzler lauschen, sondern lieber gleich die Band hören. Am Freitag hatten Friedrichsthaler Ortsverein und Landtagsfraktion der Partei Die Linke in den Historischen Rechtsschutzsaal Bildstock geladen.
Für schlappe sechs Euro Eintritt gab's ein Bier, einen Ringel Lyoner mit Weck und ein LiveKonzert der "Kellerasseln": - Die "älteste Nachwuchsband der Welt", so der Untertitel der neuen Formation um SR-Moderator und Kabarettist Jürgen Albers, wagte sich endlich an die Öffentlichkeit.
Hier verschanzten sich Jürgen Albers (Leadgitarre, Gesang, Moderation), Andrea Albers-Bick (Keyboard, Gesang), Günther Klahm (Rhythmusgitarre, Gesang, Moderation), Klaus Schulz (E-Bass, Ukulele, Gesang) und Christof Huschens (Cajon, Hi-Hat) alias "Die Schöne und die Biester" freilich noch schüchtern hinter Notenständern.
Oldies von Oldies für Oldies moderierte Konzerte als Zeitzeugenberichte, so das Konzept der Kellerasseln, die mit ihrer Auswahl an Coversongs, Neubetextungen auf Hochdeutsch oder in saarländischer Mundart sowie eigenen Liedern dem kreativen und kritischen Geist der 60er Jahre huldigen. "Es geht um unsere Generation", lautet denn auch das Motto in Anlehnung an einen Titel von "The Who". Doch belassen es die Kellerasseln nicht bei Bob Dylan, Beatles, Kinks, Rolling Stones und Co., sondern dehnen den Rahmen von den späten 50ern bis in die 70er Jahre. Und im aktuell gehaltenen Liedkabarett-Teil darf durchaus auch mal Bertolt Brecht zu Wort kommen.
Musikalisch ausbaufähig weitermachen!
kek (30.01.2012)

Saarbrücker Zeitung
Eine musikalische und kulinarische Zeitreise
Die Band Kellerasseln besteht aus Günther Klahm, Christof Huschens, Klaus Scholz, Andrea Albers-Bick und Jürgen Albers. Diese spielten im Walsheimer Campinghaus Lieder aus den 60er und 70er Jahren. Einige auch auf Saarländisch.
Von SZ-Mitarbeiter Wolfgang Degott
Walsheim. Alle Tische waren besetzt, das Bier oder der Wein bestellt, als vier Männer und eine Frau die kleine Bühne im Walsheimer Campinghaus betraten. Gitarren umgeschnallt, am Keyboard Platz genommen und auf das Cajon gesetzt, konnte es losgehen. Angekündigt war eine musikalisch-literarisch-kulinarische Zeitreise in die 1960er und 1970er Jahre mit den Kellerasseln, einer saarländischen Amateurband. Doch bevor der erste Ton erklang, ergriff Günther Klahm das Wort. Mit sonorer Stimme sprang er in die Ära von Beatles und Rolling Stones. Der Autor des Buches "Aufgewachsen im Saarland in den 60er und 70er Jahren", bezeichnete sich als Kind des Bliesgaus. Der gebürtige Niederwürzbacher erinnerte an die Kerwen, wo ausgiebig getanzt, sich mit der Liebsten aber auch gerne zurückgezogen wurde. Zusammen mit Jürgen Albers erinnerte er in der Folge mit Geschichten und Anekdoten an eine aufregende Zeit des Auf- und Umbruchs, ohne die die heutige Zeit nicht denkbar wäre. Musikalisch gelang ein ebenso guter Einstieg. Sozialkritisch mit "Es geht um unsere Generation", populärer "As tears go by" von Mick Jagger und Co. Mit "Mr. Tambourine Man", der mit dem Byrds bekannt geworden war, unterstrich die "älteste Nachwuchsband aller Zeiten" ihren Anspruch als musikalische und literarische Zeitzeugen. So wurde der Kinks-Klassiker "Deadend Street" kurzerhand in Sackgasse umbenannt und in gudd saarländisch besungen.
Es folgten Titel wie "Roll over de Schuldienschd" oder "Treppe-Putz-Rock", bei dem es Treppen ruff, Treppen runner ging, und davon gesungen wurde, dass das Kreiz wird immer krummer. Das Publikum summte und sang begeistert mit. Albers, im bürgerlichen Leben Rundfunkmoderator, besang in neuen Liedern den "Bundesbürger-Blues" oder "My Generation 2011". Auch der Ohrwurm "All I have to do is Dream" von den Everly Brothers, den er mit seiner Frau Andrea Albers-Bick im Duett sang, schmiegte sich gefühlvoll ins Programm ein. "Wir verstehen uns als Amateurband, die musikalisch durch die 60er und frühen 70er Jahre geprägt ist", sagte Albers. Er spielte bereits in jener Zeit neben englischsprachigem Beat auch saarländischen Mundart-Rock und hatte damals mehrere Single- und Langspielplatten sowie CDs aufgenommen.
Klahm verwies darauf, dass damals mit den Gastarbeitern neue Gerichte Einzug in die deutschen Küchen gehalten hätten. Die Pizzeria und der Balkan-Grill etablierten sich, und mit Twiggy gab es ein neues, schlankes Schönheitsideal. Im Campinghaus kredenzte das Wirtepaar Gertraud und Horst Blacha eine Rindfleischsuppe mit Markklöschen, legte Tafelspitz nach, machte damit auf das Kochbuch aus den 60er Jahren von Günther Klahm aufmerksam. Es enthält neben zahlreichen typischen Rezepten und vielen Tipps für ein gutes Gelingen, wiederum interessante Geschichten aus dem Alltag und erweckt mit nostalgischen Bildern das Lebensgefühl der 60er Jahre. (17.12.11)
Rheinpfalz / Pfälzische Volkszeitung
Ein Treffen mit dem ,Kleinen Großmeister' der feinen Satire (...) Seine Texte trägt er fast alle
auswendig, wenn auch nicht immer ganz wortgetreu, vor, spielt Szenen nach und zieht das Publikum
mit treffender Satire in seinen Bann. (...) Manches, was an diesem Abend locker leicht daherkommt,
entpuppt sich beim zweiten Lesen als böse Kritik am bestehenden System, vor allem in den
politischen Kapiteln. (...) Also nicht ,shikantaza - einfach nur sitzen', sondern nachsitzen und
lesen? (28.10.06)
Evangelischer Sonntagsgruß
Wer darob nicht verzweifelt, sondern im Gegenteil darüber lachen möchte, und dies mit Niveau und
gar mit der Möglichkeit zu geistigem Wachstum, der wird die neuen Abenteuer des Kleinen
Großmeisters mit Freude lesen.
Saarbrücker Zeitung
Schön für den Leser ... In dem nun vorliegenden 3. Band über den kleinen Großmeister sinniert
sein Alter Ego über (Anti-)helden des Alltag und weist schlüssig nach, daß eine brutale
Reinlichkeitserziehung ,analen Mähzwang' auslösen kann und der Weg allen Putzens parallel zum
steinigen Pfad von Lehrern verläuft. (07.09.06)
Wormser Zeitung
... das Geheimnis von Jürgen Albers ist seine Perfektion. Das perfekte Zusammenspiel
von brillianter intellektueller Analyse, variablem Ausdruck sowie jeweils durch
und durch angemessener Körpersprache. Wenn Albers von Karate oder anderem Kampfsport
spricht, so bleibt er nicht im Verbalen stecken, nein, er wirbelt sofort in die
authentische Kampfposition. Bei aller Ironie war stets zu spüren, wie Albers die fernöstliche Philosophie
ernst nahm. (27.09.02)
Saarbrücker Zeitung, St. Ingbert
Mit ausgewählten Passagen aus seinem von schreiender Satire wie subtiler
Weisheit geprägten Buch offenbarte er dort dem erwartungsfrohen Publikum,
wie erheiternd es sein kann, wenn Ost und West ausgerechnet im Saarland
aufeinanderprallen. Dabei entpuppte sich Jürgen Albers 'unplugged' einmal mehr
als Meister vieler Disziplinen, ließ ... seine Buchvorstellung mittels Musik,
Improvisation und szenischer Darbietung zu einer echten 'Ganzkörperlesung' werden.
Im Mittelpunkt dieser 'Ganzkörperlesung' stand ein nach fernöstlicher
Erleuchtung ringender Gymnasiallehrer, der mit seiner buddhistisch geprägten
Wahrnehmung unseren Alltag nachhaltig als exotisches Kuriosum erscheinen lässt. (18.04.02)
Saarbrücker Zeitung
Die Lesung war mehr eine Performance, bei der er immer wieder
in die Gitarren-Saiten griff und mit respektlosen Liedern seinen
Vortrag würzte, gekleidet zwar ins Gewand eines Zen-Meisters, aber
weit entfernt von weltferner asiatischer Gelassenheit.
Rheinpfalz
... amüsant nachzulesende transzendentale Humoresken mit Tiefgang ...
Saarbrücker Zeitung, St. Ingbert
Das war in der Tat keine klassische Autorenlesung, und so war es
ja auch versprochen worden. Er sang, las, spielte, tanzte und turnte.
Zu sehen bekam das Publikum unter anderem auch fünf 'geklatschte'
Liegestütze und seinen 38-Zentimeter Bizeps.
Als eine Art Korrektiv zu seiner Hauptfigur führt Albers die 'eher
praktisch denkende Ehefrau' und die 'so schöne wie kluge Tochter'
ein. Sie bringen den Ehemann und Vater durch knochentrocken-rationale
Bemerkungen - oft auch unsanft - wieder auf den Boden der Tatsachen
zurück. Bei aller Satire: Albers nimmt die fernöstliche Philosophie
ernst, der Leser spürt den Respekt vor den intellektuellen Leistungen
dieser Region.